Marcantonio Colonna: Der Diktatorpapst. Renovamen Verlag, Bad Schmiedeberg 2018. 265 S. € 16,-

Das vorliegende Buch, das sich spannender als ein Vatikan-Reißer von Dan Brown liest, erschien zunächst lediglich online in englischer Sprache. Die von einem Vatikan-Insider unter Pseudonym veröffentlichte Abhandlung enthüllt Hintergründe und Interna des Rücktritts des hochgelehrten deutschen Papstes Benedikt XVI. sowie der Wahl und des Regierungsstils seines hemdsärmeligen argentinischen Nachfolgers Franziskus (Jorge Mario Bergoglio). Inzwischen wurde der Autor enttarnt. Es handelt sich um den britischen Historiker Henry Sire, der als Mitglied des Malteser-Ordens längere Zeit im Vatikan weilte. Der Malteser-Orden suspendierte ihn danach. Seine Recherchen führten Sire zum Schluss, dass es sich bei Bergoglio um eine der gefährlichsten Gestalten handelt, die je den Stuhl Petri bestiegen hat. Bei seiner Wahl habe nicht der Heilige Geist, sondern ein geheimes Netzwerk linksliberaler Kardinäle die Fäden gezogen. Dessen Spiritus rector, der belgische Kardinal Godfried Daneels, bezeichnete dieses Netzwerk nach der geglückten Wahl Bergoglios selbst in einem TV-Interview als „St.Gallen-Mafia“. Neben Daneels gehörten dem Netzwerk u.a. die deutschen Kardinäle Lehmann und Kasper an. Offenbar hatten diese vor, den „Papst vom Ende der Welt“ für ihre Reform-Agenda zu instrumentalisieren. Doch Sire meint, dass es sich in Franziskus‘ bisheriger Amtszeit genau umgekehrt verhielt: Hinter der Maske franziskanischer Anspruchslosigkeit verberge sich ein Diktator, der wie sein Vorbild, der argentinische Diktator Juan Perón, aus Herrschsucht Kleriker und Laien wie Schachfiguren manipuliert und steuert, indem er mit seiner Sprunghaftigkeit im Vatikan Angst und Schrecken verbreitet. Das von vielen Gläubigen erhoffte Ausmisten des Saustalls Vatikan-Finanzen blieb dabei auf der Strecke. Als besonders skandalös gilt die finanzielle Unterstützung des Wahlkampfs der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Dafür wurden wahrscheinlich Gelder aus der Kollekte des „Peterspfennig“, der eigentlich für die karitativen Aufgaben des Vatikans gedacht ist, zweckentfremdet. Nun fürchtet Franziskus nach seinem unerlaubten Eingriff in die Souveränität des Malteser-Ordens offenbar, dass sein italienischer Gegenspieler, der neue Innenminister Matteo Salvini von der Lega Nord, ihm die Finanzpolizei ins Haus schickt und hält sich dm entsprechend auffällig zurück.
Edgar L. Gärtner