Über den transzendenten Ursprung der menschlichen Freiheit

Martin Rhonheimer, Homo sapiens: die Krone der Schöpfung. 286 S. geb. Springer VS, Wiesbaden 2016. € 49,99

Die Evolutionstheorie nach Charles Darwin ist durch und durch unfertig. Versteinerte Knochen beweisen Abstammungslinien längst nicht so zwingend, wie in Schulbüchern dargestellt. Das gilt besonders für die Abstammung des Menschen. Heute bringen Molekulargenetik und Entwicklungsbiologie mehr Licht in vermutete Zusammenhänge als die Paläontologie. Doch Martin Rhonheimer beschäftigt sich kaum mit biologischen Details. Als Philosoph und Theologe interessieren ihn in erster Linie die Konsequenzen von Erkenntnissen über unsere Herkunft für unser Menschenbild. Rhonheimer, ein Schüler Hermann Lübbes, lehrt an der Päpstlichen Universität Santa Croce in Rom, ist Mitglied der Hayek-Gesellschaft und ist gerade dabei, in Wien das Austrian Institute of Economics and Social Philosophy aufzubauen.
Im vorliegenden Buch zeigt sich Rhonheimer als Kenner der Philosophie des heiligen Thomas von Aquin. Er ist davon überzeugt, dass dessen Lehre des Hylemorphismus (Einheit von Leib und Seele) noch heute genügt, um den philosophischen Herausforderungen der Evolutionsforschung zu begegnen. Deshalb lässt er nur den teleologischen Gottesbeweis („quinta via“) gelten und distanziert sich von allen Spielarten des naiven Kreationismus. Weiterlesen

Dies Irae. Eine Geschichte des Weltuntergangs

Johannes Fried: Dies irae. Eine Geschichte des Weltuntergangs. 352 S. m. 26 s/w- und 19 farb. Abb. Verlag C.H.Beck, München 2016. Geb. € 26,95

Die Behauptung, die moderne Wissenschaft habe sich nur in einem christlichen Umfeld entwickeln können, trifft neuerdings auf Widerspruch von verschiedenen Seiten. Für den bekannten Mediävisten Johannes Fried (bis zu seiner Emeritierung Professor an der Frankfurter Goethe-Universität), steht hingegen der enge geistige Zusammenhang zwischen dem Christentum und der Entwicklung der naturwissenschaftlichen Methodik außer Frage. Er sieht diesen Zusammenhang jedoch weniger in der von den Kirchenvätern Augustinus und Thomas von Aquin von Platon und Aristoteles übernommenen Überwindung des Mythos durch den Logos, sondern in der von der Apokalypse des Johannes und der Zerstörung des zweiten Jerusalemer Tempels im Jahre 70 n. Chr. ausgehenden Endzeiterwartung, die bis zum heutigen Tag fortwirkt. Die Bibel sagt nur, das Ende könne jeden Tag kommen und die Christen sollten sich durch eine anständige und liebevolle Lebensführung auf die Wiederkunft Christi und das Jüngste Gericht vorbereiten. Jüngere Gelehrte schlugen jedoch Augustinus‘ Warnungen in den Wind und gaben dem Reiz des Verbotenen nach, indem sie auszurechnen versuchten, wie viele Jahre seit der angenommenen Erschaffung der Welt vor wenigen Jahrtausenden bis zum Weltende noch übrig blieben oder hielten nach kosmischen Zeichen Ausschau, die den nahenden Untergang ankündigten. Das waren (neben der Rezeption von Schriften des Aristoteles) die wichtigsten Anstöße für die im 12. Jahrhundert aufblühende Naturforschung. Weiterlesen

Ludwig Ehrhard jetzt!

Ulrich Horstmann, Luise Schlippenbach, Stephan Werhahn, Martin Zeil mit Günter Ederer, Gottfried Heller und Gerhard Mann: Ludwig Ehrhard Jetzt! FinanzBuch Verlag, München 2015. 159 S. € 6,99

Die jüngeren Deutschen und noch weniger die immer zahlreicher werdenden muslimischen Einwanderer dürften von dem Dicken mit der Zigarre, der Deutschland mit einer mutigen Entscheidung den Weg aus der vom Zweiten Weltkrieg geschaffenen Notsituation wies, kaum gehört haben. Schon eher werden sie von Adolf Hitler und den Nazis erfahren haben, mit deren Hinterlassenschaften Ludwig Erhard als erster Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland zurechtkommen musste. Er schaffte das mit der Freigabe der meisten Warenpreise im Juni 1948. Damit legte er den Grundstein für das deutsche „Wirtschaftswunder“, was ihm aber schon zu Lebzeiten kaum gedankt wurde. Erhards erfolgreiches Gesellschaftsmodell „soziale Marktwirtschaft“ wurde leider nur von Neuseeland kopiert. Weiterlesen

Strom ist nicht gleich Strom

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Michael Limburg, Fred F. Mueller: Strom ist nicht gleich Strom, ISBN/EAN: 9783940431547. 237 Seiten, Format 22,5 x 14,5 cm, Hardcover. TvR Medienverlag, Jena, 2015. Preis € 19,90. (Demnächst bei Amazon verfügbar)

Der Ingenieur Michael Limburg und der Wissenschaftsjournalist Fred F. Mueller erklären in einfacher, auch für Laien leicht verständlicher Weise, wie unser Stromversorgungssystem funktioniert. Sie zeigen, dass und warum die Energiewende von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, weil sie technisch gar nicht zu Ende gebracht werden kann. Der Strombedarf unserer modernen Zivilisation ist gigantisch. In diesen Mengen kann man Strom nicht sinnvoll speichern, er muss stets sekundengenau in exakt der gerade benötigten Menge produziert und per Leitung bis zum Verbraucher geliefert werden. Anderenfalls bricht das Netz wie ein Kartenhaus zusammen, Bahnen, Fabriken und Heizungen fallen aus und in den Kliniken bleiben lebenserhaltende Geräte stehen. Weiterlesen

Goldgrund Eurasien

Kisoudis

Dimitrios Kisoudis: Der neue Kalte Krieg und das dritte Rom. Edition Sonderwege, Waltrop und Leipzig 2015. 120 Seiten. € 14,-
Spätestens seit dem Ausbruch der Ukraine-Krise wird auch den Deutschen wieder bewusst, dass an dem bei ihnen lange verpönten Begriff „Geopolitik“ doch etwas dran ist. Beim Untergang der Sowjetunion und des „Ostblocks“ konnte für kurze Zeit die Illusion vom Ende des Kalten Krieges aufkommen. Damals schien die der Finanzindustrie nahestehende transatlantische „Elite“ nach einem Ersatz-Feindbild zu suchen und sich dabei nicht zwischen dem Klimawandel und dem Islamismus entscheiden zu können. Im Rückblick wird aber klar, dass die Konfrontation zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt von Anfang an weniger ideologisch, sondern eher geopolitisch begründet war und dass die durch die Truman-Doktrin definierte US-Einflusssphäre, entgegen einer Abmachung mit Michail Gorbatschow, in den vergangenen 20 Jahren Schritt für Schritt nach Osten verschoben wurde – bis an die Grenzen Russlands. Während der Warschauer Pakt sich auflöste, wurde die NATO deutlich vergrößert. Weiterlesen

Süße Kapitulation

Zu Michel Houellebecqs Zukunftsroman „Unterwerfung“

Edgar L. Gärtner

DownloadMichel Houellebecqs gerade zur rechten Zeit erschienenen Roman „Soumission“ (Unterwerfung) eine Dystopie nennen zu wollen, wäre völlig verfehlt. Zeichnet er doch ein durchaus optimistisches Bild der nahen Zukunft Frankreichs und Europas – wenn auch auf sehr hintergründige Weise. Ich kann mir gut vorstellen, dass nicht wenige Vertreter der in Europa herrschenden politischen Klasse insgeheim mit dem von Houellebecq entworfenen Zukunftsbild sympathisieren, denn es zeigt einen zwar hypothetischen, aber nicht gänzlich unrealistischen „Ausweg“ aus dem Teufelskreis von Kulturrelativismus, Indifferenz und Dekadenz, in dem das von seinen christlichen Wurzeln abgeschnittene wohlfahrtsstaatliche Europa zurzeit gefangen ist.
Der Kern des Plots: Vor der französischen Präsidentschaftswahl von 2022 passieren in Frankreich seltsame Dinge: In Paris brennt es an verschiedenen Plätzen lichterloh. In der Provinz werden Autobahn-Raststätten ausgeraubt und Menschen erschossen. Aber niemand wagt darüber zu berichten. Um den absehbaren Wahlsieg der Präsidentschaftskandidatin des Front National zu verhindern, kommen Ende Mai 2022 die Parteien der Linken und der gemäßigten Rechten überein, die Kandidatur des hochintelligenten und charismatischen Muslimbruders Mohammed Ben Abbes zu unterstützen, der eine aufgeklärte und gemäßigte Version des Islam vertritt. Ben Abbes setzt unverzüglich ein wirtschafts- und sozialpolitisches Programm um, das außer durch die Scharia vor allem durch die sozialtheoretischen Schriften der linkskatholischen Autoren Gilbert Keith Chesterton und Hilaire Belloc inspiriert ist. Weiterlesen

Für eine säkulare Republik Europa

 

Egon Flaig: Gegen den Strom. Zu Klampen Essay 2013 (Hrsg. Anne Hamilton). 254 Seiten. EUR 22,-

Download (2)Das handliche Buch stellt eine Art Vermächtnis des in Rostock lehrenden Althistorikers und Demokratietheoretikers Egon Flaig dar. Es beginnt mit einem Plädoyer für die Auflösung der Europäischen Union. Darin argumentiert Flaig keineswegs als Nationalist, sondern im Gegenteil als glühender Anhänger der europäischen Idee, der jedoch auf einem demokratischen Gründungsakt der EU besteht. Um diesen sei das Staatsvolk durch die „eurokratischen Apparatschiks“ betrogen worden. Es gebe nur einen Weg zu einem demokratischen Europa: den Weg, „den die zwölf Gründungsstaaten der USA gegangen sind.“ Die Bürger würden von der EU-Nomenklatura lediglich als bestechliche homines oeconomici, das heißt als Angehörige einer Tauschgesellschaft betrachtet. Die EU habe aber nur eine Zukunft, wenn sie zu einer echten politischen Gemeinschaft wird, deren Angehörige bereit sind, durch Opfer füreinander einzustehen. Die EU als Transfer- und Schulden-Union hingegen führe zum Wiederaufleben alter Feindschaften zwischen den Völkern. Die Nomenklatura der EU versuche durch eine postdemokratische „Diktatur des Guten“ den zentrifugalen Kräften entgegenzuwirken. Dabei schrecke sie nicht davor zurück, wesentliche Errungenschaften des Christentums und der Aufklärung zur Disposition zu stellen und ermuntere dadurch die Expansion des Islam in Europa. Dessen Eigenarten widmet Egon Flaig einen großen Teil seines Buches. Die Scharia sei die schlimmste Gefahr für Demokratie und Menschenrechte im 21. Jahrhundert, sagt er. Weiterlesen

Die Kreuzzüge in neuem Licht

Rodney Stark: Gottes Krieger. Die Kreuzzüge in neuem Licht. A. d. Englischen von Klaus Binder und Bernd Leineweber. Verlag Haffmanns & Tolkemitt. Berlin 2013. 383 Seiten. Geb. € 22,95

Download (1)Das Stichwort „Kreuzzüge“ dient in politischen Auseinandersetzungen noch immer als Schimpfwort, um die katholische Kirche der frommen Bemäntelung der Raubzüge rauer Gesellen in Ritter-Rüstungen zu zeihen. Dabei wissen wir inzwischen, dass das Bild gieriger Haudegen, die es mehr auf Goldschätze und edle Gewürze als auf den Schutz der heiligen Stätten in Jerusalem vor den Angriffen muslimischer Heere abgesehen hatten, von Voltaire und anderen „Aufklärern“ in die Welt gesetzt wurde. Diesen ging es darum, das ganze Mittelalter als finster und abergläubisch zu schmähen, um ihr eigenes Wirken umso glanzvoller erscheinen zu lassen. Die materialistische Geschichtsfälschung wurde später vom Marxismus zum System ausgebaut. Der bekannte amerikanische Religionssoziologe Rodney Stark hingegen nimmt den Glauben der Kreuzritter, in Gottes Bataillonen gedient und in Notwehr gehandelt zu haben, durchaus ernst. Er zeigt anhand historischer Forschungen, dass Christen und Juden im Nahen Osten tatsächlich durch das Vordingen der seldschukischen Türken bedroht waren. Er zeigt auch auf, dass um die erste Jahrtausendwende zwei Kirchen koexistierten: eine Kirche der Macht, in der Ämterkauf (Simonie) üblich war, und eine Kirche der Frömmigkeit, zu der neben dem einfachen Volk nicht nur die Ordensleute, sondern auch viele hochrangige Adelige zählten. Die Kreuzritter gehörten eindeutig zur frommen Fraktion. Sie mussten ihre Güter verpfänden, um sich für den Kreuzzug rüsten zu können. Abgesehen von den auf internationale Kreditgeschäfte spezialisierten Templern konnte sich niemand von ihnen bereichern. Weiterlesen

Als Deutschland Großmacht war.

Als Deutschland Großmacht war„Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst nichts auf der Welt.“ Dieser Satz aus Otto von Bismarcks Reichstagsrede vom 6. Februar 1888 wurde oft als Beleg für das aggressive Machtstreben der politischen Elite des deutschen Kaiserreiches zitiert – und zwar nicht nur von Lohnschreibern der Entente-Mächte, die Deutschland schon etliche Jahre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges faktisch eingekreist hatten, sondern auch von jenen deutschen Historikern wie Fritz Fischer und Emmanuel Geiss, die der im fatalen Versailler Friedens-Diktat ausgesprochenen Kriegsschuld-Zuschreibung, getrieben von linkem Selbsthass, voll zustimmten. Sie unterschlugen dabei, wie Bismarck fortfuhr: „Und die Gottesfurcht ist es schon, die uns den Frieden lieben und pflegen lässt.“ In der Tat lag die Bewahrung des Friedens im ureigensten Interesse aller Deutschen (die Führungsschicht eingeschlossen),  denn die wirtschaftliche Stärke der rasch aufstrebenden Kontinentalmacht gründete sich nicht auf den Besitz eines Kolonialreiches, sondern auf den Pioniergeist und den Geschäftssinn ihrer Unternehmer (insbesondere der Chemie- und Elektroindustrie). Die Zeit arbeitete für den Kaiser und die hinter ihm stehende Industrie. Dem Reichskanzler Bismarck gelang es, dieses Friedensinteresse durch geschickte Diplomatie gegenüber den Bestrebungen der Kolonialmächte England und Frankreich durchzusetzen. Seine Nachfolger waren leider nicht halb so geschickt. So konnte das Unheil seinen Lauf nehmen. Weiterlesen

Der Westen geht unter, aber das Leben geht weiter

„Wir glauben, dass unsere Zivilisation kurz vor dem Zusammenbruch steht.“ Mit diesem Bekenntnis eröffnen zehn wissenschaftlich und wirtschaftlich erfolgreiche christliche Professoren ihr gerade erschienenes Kollektiv-Werk „Höllensturz und Hoffnung.“ Es handelt sich dabei durchaus nicht um ein weiteres Stück jener auf Computer-Hochrechnungen beruhenden Warnungen vor dem angeblich nahenden Weltuntergang, derer wir langsam, aber sicher überdrüssig werden, sondern um eine durchaus umsichtige und seriöse Krisendiagnose durch Mediziner, Wirtschaftswissenschaftler, Physiker, Informatiker, Juristen und Theologen. Die Professoren wollen nicht einfach die Unmäßigkeit der modernen Menschen anprangern, sondern die inneren Zusammenhänge aufdecken, die dazu führen, dass es den Westen schon bald nicht mehr geben wird, während das Leben auf dem Planeten weiter geht. Weiterlesen