Rainer Zitelmann: Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung. Eine Zeitreise durch fünf Kontinente. Finanzbuch Verlag, München 2018. Geb. 283 S. € 24,99
Wer heute auf einer Party oder einer Familienfeier ein gutes Wort für den Kapitalismus einlegt, der erntet meistens entgeisterte Blicke. Dabei fällt der Vergleich zwischen der Marktwirtschaft und anderen Wirtschaftsformen so eindeutig zugunsten der erstgenannten aus, dass eine Verteidigung sich erübrigen sollte. Besonders eindrucksvoll erscheint die rasche Überwindung der kommunistischen Misswirtschaft mit Millionen von Hungertoten in China. Um dahin zu gelangen, musste die herrschende Kommunistische Partei nur nach und nach offene Märkte zulassen. Kaum weniger beeindruckend verlief die Entwicklung in Südkorea, das sich infolge marktwirtschaftlicher Reformen innerhalb weniger Jahrzehnte von einem armen Agrarland in ein wohlhabendes Hochtechnologie-Land verwandelte. Nicht zuletzt zeigt auch das durch Ludwig Erhard eingeleitete westdeutsche Wirtschaftswunder im Vergleich zur Misere der DDR-Planwirtschaft die Vorzüge der wirtschaftlichen Freiheit. Dennoch halten heute die meisten Menschen im Westen den Kapitalismus für ein Nullsummenspiel, in dem der Wohlstand der einen nur durch die niederträchtige Ausbeutung der anderen erzeugt werden kann. Getrieben vom Neid, suchen sie die Armut einzig durch die zwangsweise Umverteilung von Reichtum zu überwinden. Der Antikapitalismus sei zur Zivilreligion geworden, stellt Rainer Zitelmann fest. Er versucht dennoch, Fakten sprechen zu lassen, obwohl er weiß, dass gerade diejenigen, die er überzeugen möchte, sein Buch, wenn überhaupt, nur mit spitzen Fingern anfassen werden. Besonders intensiv widmet er sich den Ursachen der Finanzkrise von 2007/2008, die den Linken rund um den Globus als Beweis für das „Marktversagen“ gilt. Dabei gehört der Finanzsektor längst zu den am strengsten regulierten Wirtschaftszweigen. Nicht freie Entscheidungen von Marktteilnehmern, sondern gutmenschliche, das heißt waghalsige politische Eingriffe in den Immobilienmerkt haben die Subprime-Krise in den USA ausgelöst. Verschleppt, nicht gelöst wurde die Finanzkrise durch die „Rettung“ maroder Banken über die Aufnahme neuer Staatsschulden, deren Abbau auf demokratischem Wege immer unwahrscheinlicher wird. Edgar L. Gärtner




Der „liberale“ Journalist Tobias Huch hat in dem auf Esoterik spezialisierten Verlag eine eigene Übersetzung der Jefferson-Bibel veröffentlicht. Thomas Jefferson (1743-1826) gehörte bekanntlich zu den Gründervätern der USA. Er galt nicht nur als der europäischen „Aufklärung“ verpflichtet, sondern auch als bibelfest. Allerdings verstand er die Bibel als Märchenbuch und wollte sie nur als moralische Anleitung verstehen. Er sah folglich alles, was darin über Wunder (einschließlich des Wunders der leiblichen Auferstehung Jesu Christi nach seinem Kreuzestod) berichtet wird, als überflüssig, wenn nicht irreführend und schädlich an. Als eine Zumutung muss ihm auch die Offenbarung des Johannes erschienen sein. So eliminierte er alles, was dem Geist der „Aufklärung“ widersprach und schuf damit ein Kompendium erbaulicher Sprüche und Handlungsempfehlungen, das sich heute wohl gut als Glaubensbekenntnis einer die „woke“ Einheitsreligion fordernden gnostischen Sekte eignen würde. Das Kompendium wurde allerdings erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, also lange nach Jeffersons Tod, in Amerika veröffentlicht. Abgesehen von England, blieb das Büchlein, da nicht übersetzt, in Europa bislang weitgehend unbeachtet. Ob die nun vorliegende deutsche Übersetzung Wesentliches daran ändern wird, muss sich zeigen. Immerhin könnte Jeffersons Kompendium meines Erachtens die Erkenntnis fördern, dass die europäische „Aufklärung“, auf die sich Liberalismus und Sozialismus gleichermaßen berufen, im Kern eine in Selbstbeweihräucherung schwelgende gnostische Bewegung war. Vielleicht weckt die Jefferson-Bibel aber auch das Interesse an der richtigen Bibel. Die vier Evangelien des Neuen Testaments sind keine Sammlungen von Anekdoten, sondern Porträts des Erlösers Jesus Christus aus vier verschiedenen Perspektiven: Im Matthäus-Evangelium ist Jesus der König, im Markus-Evangelium hingegen der Gottesknecht, im Lukas-Evangelium der Seelenarzt und im Johannes-Evangelium schließlich das Fleisch gewordene Wort. Bibelforscher haben zeigen können, dass darin nichts zufällig ist. Edgar L. Gärtner
Ich gehöre sicher nicht zu den „Promis“, weil ich es, meinem Charakter entsprechend, vorziehe, im Hintergrund zu arbeiten. Deshalb gehöre ich auch nicht zu den Erst-Unterzeichnern der von Vera Lengsfeld initiierten und vom Dresdner Romancier Uwe Tellkamp auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse lancierten „Gemeinsame Erklärung 2018“ von Autoren. Ich habe mich dann aber ohne langes Nachdenken in die stündlich wachsende Zahl von Mitunterzeichnern eingereiht, sobald ich die nur aus zwei Sätzen bestehende Erklärung zu Gesicht bekam. Selbstverständlich ging es dabei auch um die Frage, ob ich mich da in guter Gesellschaft befinde.
Der Katholik Martin Mosebach, bekannt als Autor erfolgreicher Romane wie auch als scharfer Kritiker der Liturgie-Reform seiner Kirche nach dem II. Vatikanum, sieht im Bluts-Zeugnis der im Februar 2015 am libyschen Strand von vermummten IS-Terrorsten hingerichteten 21 christlichen Wanderarbeiter einen Anlass, um der Frage nachzugehen, wie die römische Kirche die Unterwerfung unter die relativistische Zivilreligion beziehungsweise die Islamisierung noch verhindern könnte. Das ägyptische Urvolk der Kopten hat 1.400 Jahre unter der Herrschaft des Islam – offenbar geistig unbeschadet – überstanden. Heute ist die Zahl der Kopten größer als je zuvor. Wie groß genau, verheimlicht die ägyptische Regierung allerdings. Die koptische Kirche, deren Zeitrechnung mit der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian beginnt (sie schreiben heute das Jahr 1800), verstand sich von Anfang an als Kirche der Märtyrer. Die römische Kirche hingegen ermöglichte ihren Mitgliedern nach der konstantinischen Wende weltlichen Erfolg. Gestützt auf das römische Recht, bekämpfte sie Häresien wie Manichäismus oder Millenarismus und nicht zuletzt den Islam zum Teil auch militärisch und war dabei zeitweise erfolgreich. Heute droht dem Christentum in Westeuropa trotzdem das Ende. Die Kopten hingegen haben die islamische Eroberung Ägyptens widerstandslos ertragen und dennoch ihren Glauben bewahrt. Das wirft die Frage nach dem Sinn unseres Geschichtsbildes auf: „Unser historisches Bewusstsein ist stark von den Rupturen und Traditionsbrüchen geprägt, welche die Epochen der europäischen Geschichte scharf voneinander abheben“, stellt Mosebach fest. „Darüber ist unser Sinn für die Kontinuitäten der Geschichte geschwächt worden, das Gefühl dafür, dass die Vergangenheit die Geschichte unserer Herkunft ist und in uns, bewusst oder unbewusst, fortdauert. (…) Nach Jesu Himmelfahrt lebte die Welt in einem ständigen Jetzt.“ 