Die Häresie der Häuslichkeit. Zur Öko-Enzyklika „Laudato si’“ von Papst Franziskus

Von Edgar L. Gärtner

Download„Zur rechten Zeit sendet der Papst ein starkes Signal für die Schöpfung.“ So beginnt die vom 18. Juni 2015 datierte Würdigung der Enzyklika „Laudato si’. Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ von Papst Franziskus durch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Der Erzbischof von München und Freising beeilt sich sodann zu unterstreichen, dass „Laudato si’“ an der kirchlichen Sozialverkündigung anknüpft, die im Jahre 1891 durch die Enzyklika „Rerum novarum“ von Papst Leo XIII. begründet wurde. Kardinal Marx weist auch auf die Enzyklika „Caritas in veritate“ von Papst Benedikt XVI. (2009) sowie auch auf Enzykliken seines großen Vorgängers Johannes Paul II. hin. Diese Betonung der Kontinuität in der kirchlichen Lehre ist wichtig, denn jeder sichtbare Bruch wäre in den Augen wirklich Gläubiger ein Hinweis darauf, dass nicht der heilige Geist, sondern sein Widersacher ein Lehrschreiben inspiriert hat. Deshalb bemüht sich auch Papst Franziskus in seinem ersten ganz von ihm selbst verantworteten Lehrschreiben demonstrativ um Anschluss an seine Vorgänger. Wer mit solchem Eifer die Kontinuität beschwört, provoziert allerdings die Frage, ob er damit nicht – bewusst oder unbewusst – einen Bruch kaschieren will. Weiterlesen

Goldgrund Eurasien

Kisoudis

Dimitrios Kisoudis: Der neue Kalte Krieg und das dritte Rom. Edition Sonderwege, Waltrop und Leipzig 2015. 120 Seiten. € 14,-
Spätestens seit dem Ausbruch der Ukraine-Krise wird auch den Deutschen wieder bewusst, dass an dem bei ihnen lange verpönten Begriff „Geopolitik“ doch etwas dran ist. Beim Untergang der Sowjetunion und des „Ostblocks“ konnte für kurze Zeit die Illusion vom Ende des Kalten Krieges aufkommen. Damals schien die der Finanzindustrie nahestehende transatlantische „Elite“ nach einem Ersatz-Feindbild zu suchen und sich dabei nicht zwischen dem Klimawandel und dem Islamismus entscheiden zu können. Im Rückblick wird aber klar, dass die Konfrontation zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt von Anfang an weniger ideologisch, sondern eher geopolitisch begründet war und dass die durch die Truman-Doktrin definierte US-Einflusssphäre, entgegen einer Abmachung mit Michail Gorbatschow, in den vergangenen 20 Jahren Schritt für Schritt nach Osten verschoben wurde – bis an die Grenzen Russlands. Während der Warschauer Pakt sich auflöste, wurde die NATO deutlich vergrößert. Weiterlesen

Die Öko-Religion – eine manichäische Häresie

Edgar L. Gärtner

St. Victor, Marseille

Die deutsche „Energiewende“ lässt sich nicht wirtschaftlich, sondern nur religiös begründen. Das zeigt sich schon an der zu ihrer Rechtfertigung eingesetzten „Ethik-Kommission“, in der Bischöfe die Hauptrolle spielten. Die vorgebrachten Argumente widersprechen allerdings dem Geist der Bibel.

Der in Deutschland und einigen Nachbarländern unter dem Namen „Energiewende“ eingeleitete Totalumbau eines bewährten, weil über Jahrzehnte gewachsenen Systems der Elektrizitätsversorgung, lässt sich weder wissenschaftlich noch technisch, sondern allenfalls pseudowissenschaftlich oder religiös begründen. In den von grünen Ideologen beherrschten Massenmedien zählt nur die Angst als Argument: Angst vor Radioaktivität und Angst vor einer Klimakatastrophe durch den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2).

Gewaltigste Naturzerstörung seit dem Mittelalter
Wir erleben zurzeit in Deutschland die gewaltigste Naturzerstörung seit dem Mittelalter. Es wird schon in wenigen Jahren in Deutschland keinen Punkt mehr geben, an dem Sie sich nicht von riesigen Windrädern eingekreist fühlen. Man wird Deutschland nicht mehr wiedererkennen. Aber es geht dabei nicht nur um die Optik. Viel bedenklicher ist die Zahl toter Greifvögel und Fledermäuse, die den rasch drehenden Rotoren zum Opfer fallen. Bedenklich sind auch die gesundheitlichen Auswirkungen des von den Rotoren erzeugten Infraschalls. Und noch bedenklicher ist die Zufallsabhängigkeit des Windstroms. Gerade wurde eine Untersuchung veröffentlicht, die nachweist, dass selbst im windreichen Großbritannien die Windräder nur an 17 Stunden im ganzen Jahr 90 Prozent ihrer Nennleistung erreichen. Oft sinkt ihre Leistung bis auf Null. Dann müssen konventionelle Kraftwerke einspringen, die jedoch technisch nicht für ein schnelles Hoch- und Runterfahren ausgelegt sind. Weiterlesen

Süße Kapitulation

Zu Michel Houellebecqs Zukunftsroman „Unterwerfung“

Edgar L. Gärtner

DownloadMichel Houellebecqs gerade zur rechten Zeit erschienenen Roman „Soumission“ (Unterwerfung) eine Dystopie nennen zu wollen, wäre völlig verfehlt. Zeichnet er doch ein durchaus optimistisches Bild der nahen Zukunft Frankreichs und Europas – wenn auch auf sehr hintergründige Weise. Ich kann mir gut vorstellen, dass nicht wenige Vertreter der in Europa herrschenden politischen Klasse insgeheim mit dem von Houellebecq entworfenen Zukunftsbild sympathisieren, denn es zeigt einen zwar hypothetischen, aber nicht gänzlich unrealistischen „Ausweg“ aus dem Teufelskreis von Kulturrelativismus, Indifferenz und Dekadenz, in dem das von seinen christlichen Wurzeln abgeschnittene wohlfahrtsstaatliche Europa zurzeit gefangen ist.
Der Kern des Plots: Vor der französischen Präsidentschaftswahl von 2022 passieren in Frankreich seltsame Dinge: In Paris brennt es an verschiedenen Plätzen lichterloh. In der Provinz werden Autobahn-Raststätten ausgeraubt und Menschen erschossen. Aber niemand wagt darüber zu berichten. Um den absehbaren Wahlsieg der Präsidentschaftskandidatin des Front National zu verhindern, kommen Ende Mai 2022 die Parteien der Linken und der gemäßigten Rechten überein, die Kandidatur des hochintelligenten und charismatischen Muslimbruders Mohammed Ben Abbes zu unterstützen, der eine aufgeklärte und gemäßigte Version des Islam vertritt. Ben Abbes setzt unverzüglich ein wirtschafts- und sozialpolitisches Programm um, das außer durch die Scharia vor allem durch die sozialtheoretischen Schriften der linkskatholischen Autoren Gilbert Keith Chesterton und Hilaire Belloc inspiriert ist. Weiterlesen

Und es gibt ihn doch, den freien Willen

Ein psychologisches Experiement

von Edgar Gärtner

Man wird in Europa nicht so leicht jemanden finden, der sich offen gegen die Anerkennung der individuellen Freiheit ausspricht. Doch bei der Frage, was unter Freiheit zu verstehen sei, liegen die Auffassungen weit auseinander. Freiheit gilt einem offenbar wachsenden Teil der an die „Segnungen“ des modernen Wohlfahrtsstaates gewöhnten Konsumenten als die Möglichkeit, zu kaufen, wonach sie Lust haben, sofern es der ihnen zugestandene Kreditrahmen zulässt. Manche sehen darin auch die Möglichkeit, ohne Hemmungen dem Kommando ihrer Hormone folgen zu können. Vielen gilt die Vorstellung eines freien Willens, das heißt eines geistigen Ichs, das Triebimpulse bewusst kontrollieren kann, als ein verstaubtes Relikt aus der Asservatenkammer der mittelalterlichen Scholastik, worauf sich nur noch christliche Fundamentalisten berufen. Etliche Hirnforscher wollen mit Hilfe moderner Techniken, wie zum Beispiel der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) oder der Messung elektrischer Potenzialschwankungen im Gehirn, herausgefunden haben, dass es keinen freien Willen geben kann. Das individuelle Bewusstsein sei durch elektro-chemische Prozesse determiniert, die schon vor der bewussten Entscheidung für eine Aktion nachweisbar seien. Nicht ein bewusstes Ich entscheide, sondern ein vorab Handlungsbefehle gebendes Hirn. Letztlich sei der Mensch für seine Handlungen also nicht wirklich verantwortlich.
Es lässt sich aber immerhin experimentell klären, dass eine bewusst freiwillig vollzogene Handlung im Gehirn ganz anders gesteuert wird als eine durch soziale Normen und/oder Strafandrohung erzwungene Aktion. Weiterlesen

Die Geburt der „Energiewende“ aus der katholischen Häresie

von Edgar L. Gärtner

Israel 136Im diesjährigen Magazin des Hilfswerkes der deutschen katholischen Bischöfe MISEREOR nimmt sich der einschlägig bekannte Autor und Greenpeace-Lobbyist Toralf Staud unter dem Titel „Zweifel ist unser Produkt“ jene Skeptiker oder Klimarealisten vor, die sich unter anderem beim Europäischen Institut für Klima und Energie (EIKE) zusammengefunden haben, um auf Ungereimtheiten in den fünf offiziellen Sachstands-Berichten des „Weltklimarats“ IPCC der UN hinzuweisen. Staud wirft den von ihm als „Leugner“ verunglimpften Skeptikern vor, einen asymmetrischen Krieg gegen die staatlich und zwischenstaatlich anerkannte Klimaforschung und damit gegen die wissenschaftliche Begründung der deutschen Energiewende zu führen. Denn sie machten sich die Tatsache zunutze, dass „viele Journalisten auf der Suche nach Neuigkeiten lieber eine abweichende Meinung drucken als eine weitere Bestätigung des wissenschaftlichen Konsens.“ Der „Leugnerszene“ gehe es nicht um Erkenntnisgewinn, sondern um das Pflegen vorgefasster Meinungen. Das zeige sich schon daran, dass EIKE keinen einzigen wissenschaftlichen Angestellten beschäftigt. Tatsächlich beschäftigt EIKE als ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und kleine Privatspenden finanzierter eingetragener Verein überhaupt keine Angestellten. Die Mitglieder von EIKE sehen sich aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung als Wissenschaftler und Ingenieure aber sehr wohl imstande, die offiziellen Verlautbarungen der Klimapolitik auf ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen und vor der mutwilligen Zerstörung eines bislang zuverlässig funktionierenden Systems der Stromversorgung durch die massive Subventionierung zufallsabhängiger „Erneuerbarer“ zu warnen.
Warum übernimmt ausgerechnet ein katholisches Hilfswerk die Rolle einer Speerspitze gegen den gesunden Menschenverstand? Weiterlesen

Der Westen geht unter, aber das Leben geht weiter

„Wir glauben, dass unsere Zivilisation kurz vor dem Zusammenbruch steht.“ Mit diesem Bekenntnis eröffnen zehn wissenschaftlich und wirtschaftlich erfolgreiche christliche Professoren ihr gerade erschienenes Kollektiv-Werk „Höllensturz und Hoffnung.“ Es handelt sich dabei durchaus nicht um ein weiteres Stück jener auf Computer-Hochrechnungen beruhenden Warnungen vor dem angeblich nahenden Weltuntergang, derer wir langsam, aber sicher überdrüssig werden, sondern um eine durchaus umsichtige und seriöse Krisendiagnose durch Mediziner, Wirtschaftswissenschaftler, Physiker, Informatiker, Juristen und Theologen. Die Professoren wollen nicht einfach die Unmäßigkeit der modernen Menschen anprangern, sondern die inneren Zusammenhänge aufdecken, die dazu führen, dass es den Westen schon bald nicht mehr geben wird, während das Leben auf dem Planeten weiter geht. Weiterlesen

Albert Camus und die Liebe zur Wahrheit

Am 7. November 2013 wäre der Literatur-Nobelpreisträger 100 Jahre alt geworden

Ich hätte nie gedacht, es könne atheistische Heilige geben. Doch heute ist mir klar: Albert Camus, der sich zum Atheismus bekannte, ist einer. Wobei ich meine Zweifel habe, ob Camus wirklich ein guter Atheist war. In seinem autobiografischen Torso „Le premier homme“ (Der erste Mensch) berichtet Camus, die Rumpf-Familie, in der er in Belcourt, einem Armenviertel von Algier, aufwuchs, sei so bitterarm und ungebildet gewesen, dass die ums nackte Überleben kämpfenden Angehörigen einfach nicht den Kopf frei hatten für Religiöses. Bücher und elektrisches Licht gab es nicht im Haus und das Kulturleben der Familie beschränkte sich auf gelegentliche Kinobesuche. Der Sohn eines im Oktober 1914 in der Marne-Schlacht in Nordfrankreich gefallenen armen Algerienfranzosen und einer Analphabetin spanischer Herkunft wurde immerhin ordnungsgemäß katholisch getauft, paukte später mechanisch den Katechismus und empfing die heilige Erstkommunion aufgrund einer Sondergenehmigung sogar früher als damals üblich. Als Katholik gehe ich jedenfalls davon aus, dass auch nicht ganz freiwillig empfangene Sakramente in einer Persönlichkeit Spuren hinterlassen. Weiterlesen

Warum verschwindet der Flynn-Effekt?

Heutige Menschen reagieren langsamer als ihre Vorfahren

CNN-Porträt

In den USA ist infolge des massiven Zustroms illegaler Einwanderer aus Mexiko und anderen lateinamerikanischen Ländern die Debatte über mögliche Zusammenhänge zwischen Rasse und Intelligenz wieder neu aufgeflammt. Auslöser der Debatte ist eine von der konservativen Heritage Foundation veröffentlichte Studie von Jason Richwine und Robert Rector über die sozialpolitischen Kosten der massiven Einwanderung von Hispanics mit einem niedrigeren durchschnittlichen IQ als die alteingesessenen Englischsprachigen Weißen und die Zuwanderer aus Asien. Die im Schnitt niedrigere Intelligenz hindere Hispanics, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen und mache sie abhängig von verschiedenen teuren staatlichen Sozialleistungen. Weiterlesen

Was ist (Selbst-)Bewusstsein?

Zum Verhältnis von Geist und Materie

von Edgar L. Gärtner

An der Frage nach der Natur des menschlichen Selbstbewusstseins und des freien Willens scheiden sich noch immer im wahrsten Sinne des Wortes die Geister. Schon seit Sigmund Freuds „Wiederentdeckung“ des Unbewussten, spätestens aber seit den neurophysiologischen Experimenten von Benjamin Libet (1916-2007) in Kalifornien gilt der Mensch vielen Psychologen und Hirnforschern nicht mehr als Herr im Hause des eigenen Ich. Nach Libet sei es „eine unumstößliche und experimentell bewiesene Tatsache, dass eine Handlung immer schon ausgeführt ist, wenn sich das Gehirn ihrer bewusst wird“, erklärt einer von Libets Nachfolgern, der bekannte Hirnforscher Michael Gazzaniga, in seinem neuesten Buch „Who’s in Charge? Free Will and the Science of the Brain“. Damit scheint sich Gazzaniga auf den ersten Blick der durchaus gängigen deterministischen Fehlinterpretation der Experimente Libets anzunähern. Die deutsche Übersetzung des Titels seines Buches („Die Ich-Illusion“) leistet diesem Missverständnis noch (bewusst?) Vorschub. In Wirklichkeit vertritt Gazzaniga in seinen Ausführungen über die strafrechtliche Verantwortung eher die gegenteilige Position, indem er die individuelle Verantwortung unterstreicht.
Streng genommen können Experimente nach der Theorie des Wissenschaftsphilosophen Karl R. Popper übrigens nichts beweisen, sondern nur Vermutungen entkräften beziehungsweise Annahmen falsifizieren. Das heißt wir wissen nach einem Experiment mit eindeutigem Ausgang, wie ein Vorgang sicher nicht abläuft. Aber wir wissen noch immer nichts Endgültiges über die tatsächlichen Zusammenhänge. Deshalb hat Libet selbst die Ergebnisse seiner Experimente immer sehr vorsichtig interpretiert und sich in keiner Weise jenen militanten Materialisten angenähert, die darin die ultimative Widerlegung der traditionellen jüdisch-christlichen Auffassung von Willensfreiheit sehen wollten. Weiterlesen